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Allgemein- und Viszeralchirurgie

Speiseröhre

Chefarzt PD Dr. Bernd Sido während einer Operation.
Chefarzt PD Dr. Bernd Sido während einer Operation.

Man unterscheidet im Wesentlichen zwei Arten von Speiseröhrenkrebs:

  • das Adenokarzinom
  • das Plattenepithelkarzinom.

Das Adenokarzinom entsteht überwiegend im unteren Drittel der Speiseröhre, ist bei Männern häufiger als bei Frauen und nimmt in den letzten Jahrzehnten an Häufigkeit zu. Diese Tumorform entsteht typischerweise als Folge einer langjährigen Refluxerkrankung, wenn beispielsweise bei einem Zwerchfellbruch die Magensäure nach oben in die Speiseröhre zurückläuft. Durch diesen sauren Reflux können Veränderungen an der Schleimhaut der Speiseröhre entstehen, die mit einem erhöhten Risiko in einen Krebs übergehen. Das führende Symptom ist die Schluckstörung mit einem Steckenbleiben von überwiegend fester Nahrung, wodurch die Patienten oftmals binnen weniger Wochen rasant an Gewicht verlieren können.

Das Plattenepithelkarzinom der Speiseröhre wächst im Vergleich zum Adenokarzinom überwiegend im oberen und mittleren Drittel der Speiseröhre, nimmt an Häufigkeit ab und hat eine schlechtere Prognose. Diese Krebsform entsteht typischerweise nach langjährigem Genuss von Alkohol und Nikotin. Dementsprechend sind die betroffenen Patienten oftmals in einem reduzierten Allgemein- und Ernährungszustand und leiden an relevanten Begleiterkrankungen der Lunge oder Leber.

Die Tumorchirurgie der Speiseröhre ist sehr komplex und erfordert eine routinierte Zusammenarbeit zwischen Chirurgen, Gastroenterologen, Anästhesisten und Intensivmedizinern. Nur so können Risiken dieser durchwegs anspruchsvollen Chirurgie auf ein Minimum gesenkt und Komplikationen fachgerecht behandelt werden. Mit einer entsprechenden operativen Erfahrung bei diesen hoch komplexen Eingriffen können schwerwiegende Komplikationen oftmals vermieden werden.

Diagnostik beim Speiseröhrenkrebs

Um ein genaues Bild von der Tumorausdehnung beim Speiseröhrenkrebs zu erhalten und das individuelle Risikoprofil des Patienten exakter einschätzen und somit abschließend ein Behandlungskonzept in unserer interdisziplinären Tumorkonferenz festlegen zu können, ist eine detaillierte internistische und radiologische Diagnostik erforderlich. Obligatorisch führen wir neben einer Endoskopie (Ösophagogastroduodenoskopie) mit Biopsieentnahme auch eine endoskopisch gestützte Ultraschalluntersuchung der Lymphknoten und des lokalen Tiefenwachstums des Krebses durch. Ergänzend erfolgt eine radiologische Bildgebung mit Computertomographie des Brust- und Bauchraumes, wodurch wir detaillierte Informationen über die Tumorausdehnung im Brustraum und potenzielle Absiedlungen in Lymphknoten oder gar in Leber oder Lunge erhalten. Wenn radiologisch eine enge räumliche Beziehung des Speiseröhrenkrebses zur Luftröhre erkennbar ist, veranlassen wir eine Spiegelung der Luftröhre (Bronchoskopie), da bei Zeichen der Infiltration der Luftröhre Inoperabilität bestünde. Letztendlich kann das Behandlungskonzept nur unter verantwortungsvoller Miteinbeziehung des Allgemein- und Ernährungszustandes des Patienten und der individuellen Risikofaktoren (z.B. Begleiterkrankungen) festgelegt werden. Aus diesem Grund lassen wir die Narkosefähigkeit und körperliche Belastbarkeit des Patienten oftmals im Hinblick auf das Behandlungskonzept durch unsere Narkoseärzte einschätzen.

Behandlungsstrategie beim Speiseröhrenkrebs

Bei einem Speiseröhrenkrebs im frühestmöglichen Stadium kann der Krebs eventuell noch lokal endoskopisch abgetragen werden, weil das Risiko für eine Streuung in Lymphknoten dann sehr gering ist. Bei allen anderen, fortgeschritteneren Tumorstadien und grundsätzlich, wenn in der bildgebenden Diagnostik bereits der Verdacht auf Absiedlungen in Lymphknoten besteht, ist eine operative Entfernung der Speiseröhre (Ösophagektomie) in Erwägung zu ziehen.

Unter Berücksichtigung der Lage und Ausbreitung des Tumors sowie des Tumorstadiums (Tiefenausdehnung, Lymphknoten-Absiedlungen) erfolgt meist eine Vorbehandlung des Krebses mit Bestrahlung und/oder Chemotherapie vor dem Speiseröhreneingriff. Diese Vorbehandlung hat das Ziel, den Tumor vor der Operation so zu schwächen, dass der Tumor später mit geringerer Wahrscheinlichkeit lokal wieder auftritt (Risiko für Tumorrückfall geringer). An unserer Klinik bevorzugen wir die Vorbehandlung durch eine Kombination von Bestrahlung und Chemotherapie nach einem modernen Protokoll, auf das die Patienten sehr gut ansprechen. Bei Patienten, die für einen komplexen operativen Eingriff nicht ausreichend fit sind, insbesondere wenn ein Plattenepithelkarzinom vorliegt (siehe einleitende Worte zu diesem Schwerpunkt), ist es sogar denkbar, den Krebs auf diese Weise ohne Operation definitiv zu behandeln. Derart schwierige Entscheidungen erfordern ein hohes Maß an Expertise zahlreicher Fachspezialisten, die wir in unserer interdisziplinären Tumorkonferenz zusammenziehen, um für die Betroffenen die bestmögliche Therapie festzulegen.

Ziel der Operation muss immer die vollständige Entfernung des Krebses zusammen mit den Lymphabflusswegen im Brust- und Bauchraum sein. Ein großer Eingriff an der Speiseröhre ist auch bei Tumorabsiedlungen in benachbarten Lymphknoten sinnvoll. Liegen allerdings Fernabsiedlungen in Halslymphknoten, in der Lunge oder Leber vor oder ist der Tumor bereits in das benachbart liegende Atemwegsystem eingewachsen, ist eine Operation nicht mehr möglich. Dann kommen andere Therapieformen zur Anwendung.

Operation beim Speiseröhrenkrebs

Die Entfernung eines Speiseröhrenkrebses ist grundsätzlich ein umfangreicher Eingriff. Hierzu eröffnen wir sowohl die Bauchhöhle über einen Mittelschnitt als auch die rechte Brusthöhle über einen seitlichen Schnitt. Während der Präparation des Brustraumes wird die rechte Lunge aus Gründen der Übersicht nicht belüftet. Die Speiseröhre wird nun mit dem gesamten anhängenden Weichgewebe (überwiegend Lymphknoten) aus dem Brustmittelfeld ausgelöst. Dabei werden die Brustschlagader und andere große Gefäße des Brustraumes, der Herzbeutel, Nervenbahnen und die Luftröhre mit ihrer Aufzweigung freigelegt. Die Speiseröhre mit dem Tumor wird im oberen Brustraum oder am Hals abgetrennt und dann mit einem oberen Magenanteil als zusammenhängendes Präparat entfernt. Mit Hilfe eines Schnellschnittes lassen wir noch während der Operation vom Pathologen einen tumorfreien Absetzungsrand am oberen Ende der Speiseröhre bestätigen.

Aus dem verbliebenen Magenanteil wird ein Magenschlauch als Ersatz für die Speiseröhre geformt. Ein solcher Magenschlauch kann derart gestreckt werden, dass sein oberes Ende sogar bis zum Hals hochgezogen werden kann. In einem solchen Fall bevorzugen wir es, den Magenschlauch in einem präparierten Tunnel hinter dem Brustbein und vor dem Herzen zum Hals hoch zu führen. Das Brustbein muss dazu nicht eröffnet werden. Häufiger jedoch – je nach Tumorlage und Tumortyp – legen wir die Kontinuität zwischen oberem Speiseröhrenende und Magenschlauch hoch oben im rechten Brustraum an.

Kommt der Magen für einen Speiseröhrenersatz nicht in Frage (beispielsweise nach einer früheren Magenoperation), verwenden wir alternativ ein Dickdarmsegment. Dieses Darmsegment trennen wir unter Erhalt seiner eigenen Gefäßversorgung aus der Dickdarmpassage heraus und setzen es zwischen dem oberen Speiseröhrenende am Hals und dem Restmagen ein (Koloninterponat).

Operation bei gutartigen Erkrankungen der Speiseröhre

Gutartige Tumore sind meist in der Speiseröhrenwand unter einer ansonsten intakten Schleimhaut gelegen und kapselartig begrenzt. Sofern überhaupt operiert werden muss, können sie dann aus der Wand ausgeschält werden (Enukleation). Eine Entfernung von Lymphknoten ist nicht erforderlich. Unter bestimmten Voraussetzungen kann ein solcher Eingriff minimal-invasiv mit der Schlüsselloch-Technik erfolgen.

Sackförmige Ausstülpungen der Speiseröhrenschleimhaut nach außen sind meist im Halsbereich gelegen. Solche sogenannten Zenker-Divertikel verursachen ein Kloßgefühl und Schluckbeschwerden, wenn feste Nahrung darin hängen bleibt. Typischerweise wird unverdaute Speise insbesondere im Liegen nach oben befördert. Die operative Therapie besteht in einer Abtragung dieser Ausstülpung über einen kleinen Hautschnitt an der linken Halsseite. Sehr selten liegt eine sackförmige Ausstülpung im unteren Speiseröhrendrittel mit Schluckbeschwerden vor (epiphrenisches Divertikel), die wir ebenfalls minimal-invasiv laparoskopisch abtragen, wobei unsere internistischen Kollegen durch gleichzeitige Spiegelung der Speiseröhre von innen eine Läsion oder Einengung der Speiseröhre ausschließen.

Schluckbeschwerden sind nicht selten durch eine Achalasie bedingt. Hier kann sich der untere Speiseröhrenschließmuskel nicht richtig öffnen, wodurch die geschluckte Nahrung in der Speiseröhre hängen bleibt. Die Folge ist eine erhebliche Aufweitung der Speiseröhre, die sich nicht mehr regelrecht bewegen kann. Unverdaute Speise wird nach oben gewürgt, es kommt zu Gewichtsverlust, Schmerzen hinter dem Brustbein und einem Überlauf in die Luftröhre (Aspiration). Die Behandlung besteht zunächst in der endoskopischen Erweiterung des Mageneingangs durch Ballondilatation. Wenn diese nicht erfolgreich ist, schlitzen wir minimal-invasiv den Speiseröhrenschließmuskel (Kardiomyotomie) in einem laparoskopischen Eingriff.

 
 
 

Ihr Ansprechpartner

Sido, Bernd

Chefarzt Allgemein- und Viszeralchirurgie

Haus St. Elisabeth / Prinz-Albert-Str. 40
53113 Bonn
Tel: +49 228 508-1571
Fax:+49 228 508-1576
chirurgie@gk-bonn.de

 
 
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