Häuserfronten
Die Anfänge
1907 - 1945
Nach dem 2. Weltkrieg

Ein Krankenhaus - drei traditionsreiche Häuser

Alt

Seit einigen Jahren sind die Symbole der Krankenhäuser St. Elisabeth und St. Petrus unter einem Dach vereint, dem Dach des Gemeinschaftskrankenhauses. Ihre Träger - die Franziskanerinnen von Waldbreitbach und die Barmherzigen Brüder aus Trier - haben die gemeinsame Krankenhausführung gewählt, die Krankenhäuser fusioniert und ihnen den Namen „Gemeinschaftskrankenhaus“ gegeben.

Warum haben sich gerade diese beiden Krankenhäuser zusammengeschlossen? Der Blick zurück in die Geschichte ihrer Entstehung und die Tradition ihrer Zusammenarbeit gibt darüber Aufschluß.

Schon 1886 kamen Barmherzige Brüder auf Wunsch des Dechanten und einiger engagierter Bürger nach Bonn. Sie sollten ihre Erfahrungen in der Krankenpflege auch Bonner Bürgern vermitteln. Das ausgehende 19. Jahrhundert bescherte den Menschen eindrucksvolle Entwicklungen und Erfindungen der Medizin.

Robert Koch fand die Ursache der Tuberkulose, der Rügener Theodor Billroth führte die ersten Magenoperationen durch, Thomas Morton die Narkose, Carl Koller beschrieb die örtliche Betäubung, Adolf Kehrer den Kaiserschnitt.

Stürmisch entwickelte sich die Medizin. In dieser Ära großartiger Fortschritte entstanden unter Bismarck Unfall- und Krankenversicherung. Damit war die Basis für eine sozialgerechte und medizinisch qualifizierte Krankenbetreuung gegeben, die Barmherzigen Brüder konnten sie leisten. Bald wurde aus der Hauskrankenpflege mehr. 

Ein Krankenhaus wurde gebaut, bald musste es erweitert werden. Die Berufsgenossenschaften - verantwortlich für die Unfallversicherung - reservierten vertraglich allein 100 Betten für ihre Verletzten. Sie gewährten sogar das Darlehen für den Erweiterungsbau. Die gute Krankenpflege der Brüder und der unermüdliche Einsatz der fähigen Ärzte - allen voran die Professoren Dr. Witzel, Dr. Rumpf, Dr. Fuchs und Dr. Rieder-Pascha - führten das Krankenhaus zur Blüte. 

Es war ein Männerkrankenhaus, Frauen wurden - wie damals üblich, wenn Ordensbrüder die Krankenpflege ausübten - nicht aufgenommen

 

Die große Not der Nachkriegsjahre veranlasste Schwestern und Brüder, zusätzlich zur Krankenpflege, die Armenspeisung aufzubauen. Die noch kleine „Rumpf´sche Klinik“ (gegründet 1907) gab jährlich bis zu 8 000, das Brüderkrankenhaus 37 000 Essen und 3 000 Brote an Notleidende.

Dank vieler Spenden wurde diese schwere Zeit überwunden. Der lange schon geplante Umbau der „Rumpf´schen Klinik“ konnte dann 1924 beginnen. Aus den nun mittlerweile vier Gebäuden mit unterschiedlichem Höhenniveau entstand eine verbundene Krankenhausanlage und erhielt den Namen „St. Elisabeth-Krankenhaus“.

Hier gab es schon kleinere Mehrbettzimmer, keine Krankensäale, wie noch im Brüderkrankenhaus. Das wurde 1926 von den Rheinischen Berufsgenossenschaften zum „Spezialkrankenhaus für Unfallverletzte“ ernannt. Sogar aus dem Ahrkreis wurden jetzt die Verletzten nach Bonn gebracht. Weltwirtschaftskrise und andere Prüfungen warfen die beiden Bonner Krankenhäuser zurück, die Zahl der versorgten Patienten, der Wöchnerinnen und Neugeborenen stieg jedoch nach 1932 wieder an. Mit der Einflussnahme der Nationalsozialistischen Partei wuchsen neue Probleme. 1937 drohte dem Brüderkrankenhaus die Beschlagnahme. Die Ärzte des Krankenhauses regten an, dass die Franziskanerinnen, die sie aus dem St. Elisabeth Krankenhaus kannten, auch im Brüderkrankenhaus die Pflege übernehmen könnten.

Damit sollte den unablässigen Angriffen gegen die Brüder die Kraft genommen werden. Eilends wurden Gespräche aufgenommen. Schon im Juli wurde den Bonner Zeitungen mitgeteilt, dass nun die Franziskanerinnen von Waldbreitbach die Pflege übernommen hätten. Das Krankenhaus erhielt den neuen Namen „St. Petrus-Krankenhaus“. Die Brüder legten ihr Ordenskleid ab, arbeiteten jedoch in Zivil weiter. 

Der zweite Weltkrieg versetzte die Ärzte, Schwestern und Brüder in Schrecken und Panik. Nicht nur die Betreuung und Sorge um die Patienten hielt sie in Atem, auch die nächtlichen Evakuierungen der Krankenhäuser, wenn wieder einmal Bomber gesichtet wurden. Und sie kamen schon 1941 fast einhundert Mal. Das St. Petrus-Krankenhaus wurde besonders schwer getroffen, so wie viele andere Bonner Kliniken. Doch die technische Versorgung im St. Elisabeth-Krankenhaus funktionierte noch, es übernahm sogar für die Universitätskliniken. 

Beide Krankenhäuser entwickelten und vergrößerten sich rasch, das Ordensleben wuchs ebenfalls heran. Kapellen wurden gebaut, Orgeln des Bonner Orgelbauers Klais bestellt. Seelsorge, Messen und Sakramente wurden Teil der Krankenfürsorge. 


 

Endlich, im März 1945, konnten die Brüder das Ordenskleid wieder anziehen. Die Franziskanerinnen blieben noch bis 1953, halfen beim Wiederaufbau und betreuten die Kranken. Nachwuchssorgen, die alle kirchlichen Träger und Orden verspürten, führten dann zum Einzug der Caritas-Schwestern ins St. Petrus-Krankenhaus.

Die Nachkriegsjahre brachten viel Neues: Die Chirurgie im St. Elisabeth-Krankenhaus teilte sich auf. Ein neuer Unfallchirurg kam, der ausschließlich für dieses Krankenhaus zuständig war. Im St. Petrus-Krankenhaus ging man ähnliche Wege: Ein neuer Unfallchirurg und Orthopäde wurde dem Chirurgen zur Seite gestellt. Die Ärzteschaft teilte sich zunehmend auf, um konzentriert in nur einem Krankenhaus Abteilungen zu stabilisieren und neu aufzubauen. Mit Erfolg, denn immer häufiger suchten auch Prominente beide Kliniken auf. Der damalige Bundeskanzler, Dr. Konrad Adenauer, feierte seit 1958 jeden Geburtstag im St. Elisabeth Krankenhaus, wo sein Priestersohn Paul Adenauer die Festmesse las. Viele andere Namen ließen sich noch nennen. Über Willi Brandt und Ludwig Erhard zu Ministern, Politikern, Mitgliedern des Hochadels, Musikern und Schauspielern. Beide Kliniken legten jedoch großen Wert auf ihre Nähe zu den Bonner Bürgern, die dieses schätzen.

Aber die Krankenhausstrukturen mussten sich dem Wandel der gesundheitspolitischen Vorstellungen und des hohen wirtschaftlichen Drucks ständig anpassen. Spezialisierung und Schwerpunkte wurden gefordert, auch der Verzicht auf Fachbereiche, die in zu vielen Kliniken angeboten wurden.

Ein Zusammenschluss der beiden Krankenhäuser auf der Basis ihrer gemeinsamen Vergangenheit lag schließlich nahe. Vereint läßt sich ein Konzept zur zeitgemäßen Krankenhausversorgung der Bonner Bevölkerung leichter und erfolgreicher gestalten.

Heute präsentiert sich das Gemeinschaftskrankenhaus in beständiger Weiterentwicklung mit neuen Fachabteilungen wie Geriatrie, Kardiologie und Schmerztherapie, moderner medizinischer Diagnostik und Therapie im christlichen Geist derer, die beide Keimzellen, das St. Elisabeth und das St. Petrus Krankenhaus, gegründet und erfolgreich vorwärts gebracht haben.