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Im Dialog

Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse

Prof. Dr. Dumoulin und PD Dr. Sido bei einer Ultraschalluntersuchung
Prof. Dr. Dumoulin und PD Dr. Sido bei einer Ultraschalluntersuchung

Apple-Gründer Steve Jobs und Schauspieler Patrick Swayze - beide sind an Krebs der Bauchspeicheldrüse gestorben. Ein Organ, von dem die meisten nicht einmal wissen, wo es überhaupt liegt. Unsere Chefärzte der Abteilungen Viszeralchirurgie und Innere Medizin,  PD Dr. Sido und Prof. Dumoulin, möchten Sie am 24. Februar 17-18:30 Uhr über Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse informieren. Es gibt neue medizinische Erkenntnisse, Diagnose- und Therapieverfahren.
 
1)Wofür braucht man eine Bauchspeicheldrüse überhaupt?


Die Bauchspeicheldrüse erfüllt zwei wichtig Funktionen. Zum einen produziert sie einen Saft, der über den Bauchspeicheldrüsengang in den Zwölffingerdarm abgesondert wird und zur Verdauung der Nahrung, vor allem von Fetten, wichtig ist. Zum anderen werden in der Bauchspeicheldrüse verschiedene Hormone gebildet, die insbesondere den Blutzuckerspiegel regulieren. Das wichtigste Hormon ist das Insulin, das in spezialisierten Zellen der Bauchspeicheldrüse, den sogenannten Inselzellen, hergestellt wird und von hier aus direkt ins Blut gelangt.
 
2)Kann man einer Erkrankung vorbeugen und wenn ja, wie?


Die Bauchspeicheldrüse ist ein empfindliches Organ, das beispielsweise durch übermäßige Fettzufuhr in der Nahrung oder Alkoholexzesse gereizt wird und sich so akut oder chronisch entzünden kann. Auch Raucher sind gefährdet. Eine gesunde Lebensführung ohne übermäßigen Alkoholkonsum beugt also dieser unter Umständen lebensbedrohlichen Erkrankung vor. Gallensteine können aus der Galleblase in den Gallengang abgehen. Da Gallengang und Bauchspeicheldrüsengang an derselben Stelle gemeinsam in den Zwölffingerdarm einmünden, kann ein Gallengangstein eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung auslösen, wenn der Stein vor der Einmündungsstelle einklemmt. Einem solchen Ereignis kann man nicht vorbeugen, aber es sollte in diesem Fall die Gallenblase mit den Steinen operativ entfernt werden, um erneute Komplikationen des Gallensteinleidens zu verhindern. Die gefürchtete Krebserkrankung der Bauchspeicheldrüse tritt häufiger bei übergewichtigen Patienten mit ungesundem Lebensstil auf (Rauchen, Alkohol, Bewegungsmangel). Auch wenn man Bauchspeicheldrüsenkrebs nicht sicher verhindern kann – eine gesunde Lebensführung und Ernährung mindert das Risiko jedenfalls.
 
3)Wie erkenne ich, dass etwas mit meiner Bauchspeicheldrüse nicht stimmt - Was sind typische Symptome?


Symptome einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung sind heftigste, plötzliche Schmerzen im Oberbauch, aber auch im Rücken, die üblicherweise zum notfallmäßigen Arztbesuch führen. Bei der chronischen Entzündung kann es zu wiederkehrenden Schmerzepisoden kommen. Eine fehlende oder eingeschränkte Verdauungsfunktion der Bauchspeicheldrüse kann sich in weichen, klebrigen, mitunter grauen Stühlen und Durchfällen in Verbindung mit einem Gewichtsverlust äußern. Wenn die Produktion des Hormons Insulin durch fortschreitende Entzündung des Organs nicht mehr ausreicht, können Zeichen einer Zuckererkrankung wie beispielsweise Durst, vermehrtes Wasserlassen und Hautjucken auftreten. Eine Krebserkrankung wie auch viele gutartige Tumore der Bauchspeicheldrüse verlaufen oftmals lange ohne Symptome oder gehen mit nur unspezifischen Oberbauchbeschwerden einher. Ist der Krebs im Bauchspeicheldrüsenkopf gelegen, kann eine akut aufgetretene Gelbsucht ohne jegliche Schmerzen ein Alarmsignal sein. Eine neu aufgetretene, insulinpflichtige Zuckerkrankheit im höheren Alter oder eine unerklärliche Verschlechterung einer bestehenden Diabetessituation können hinweisend sein auf einen Bauchspeicheldrüsenkrebs. Viele Patienten klagen dann auch über Gewichtsabnahme, Appetitlosigkeit und weiche Stühle. Schreitet die Krebserkrankung weiter fort, sind die Patienten oftmals von Rückenschmerzen geplagt.
 
4)Was passiert wenn Warnsignale nicht wahrgenommen werden? Bekomme ich dann Krebs?


Wenn eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse chronisch wird, kann das Organ über viele Jahre und Jahrzehnte hinweg geschädigt werden und zunehmend vernarben. Meist geht die Erkrankung mit starken Schmerzen einher. Wir wissen, dass das Krebsrisiko bei einer chronischen Entzündung der Bauchspeicheldrüse erhöht ist, allerdings nicht so sehr, wie man früher angenommen hat. Allerdings erleben wir immer wieder, dass bei chronischen Rückenschmerzen, die nicht bewegungsabhängig sind, nicht an die Bauchspeicheldrüse gedacht und eine Krebserkrankung erst spät diagnostiziert wird. Ansonsten gibt es keine Warnsignale, aus denen man schlussfolgern könnte, dass eine Krebserkrankung nur noch eine Frage der Zeit ist. Leider macht der Krebs selber oft keine spezifischen Beschwerden und tritt in einer ansonsten gesunden Bauchspeicheldrüse auf. 
 
5) Wenn ich dann bei Ihnen bin, was machen Sie? (Diagnose, Therapie, OP?)
Das hängt natürlich ganz von der Erkrankung ab. Neben Befragung des Patienten, klinischer Untersuchung und Ultraschall werden in der Diagnostik noch der endoskopische Ultraschall (mit dem die Bauchspeicheldrüse in optimaler Qualität dargestellt werden kann) und in der Routine die Computer- und die Kernspintomographie eingesetzt. Sofern für die weitere Therapieplanung eine Gewebeprobe notwendig ist, kann sie im Rahmen einer endoskopischen Ultraschalluntersuchung durch eine Punktion der Bauchspeicheldrüse unter bildgebender Kontrolle gewonnen werden. Weitere wichtige Pfeiler der Behandlung sind die Unterstützung der Bauchspeicheldrüsenfunktion (mit Verdauungsfermenten, Insulin), die Ernährungstherapie und Schmerztherapie.
 
Bei der chronischen Entzündung der Bauchspeicheldrüse mit schwer behandelbaren Schmerzen ist frühzeitig Kontakt mit dem Chirurgen aufzunehmen, um zu klären, ob ein besser wirksames, organschonendes Operationsverfahren an der Drüse zur Anwendung kommen sollte. Es gibt eine Reihe von gutartigen Tumoren in der Bauchspeicheldrüse, die ein hohes Risiko haben, im weiteren Verlauf in einen Krebs überzugehen. Hier ist eine operative Entfernung des Befundes im wahrsten Sinne des Wortes heilsam, da so einer lebensbedrohenden Krebsentstehung vorgebeugt wird. Liegt bereits ein Krebs der Bauchspeicheldrüse vor, kann nur die Operation eine Aussicht auf Heilung bieten, sofern Tumorabsiedlungen in anderen Organen nicht vorliegen. Ob der Tumor entfernbar und der Eingriff erfolgreich ist, hängt natürlich auch von der Erfahrung des Operateurs ab, weswegen sich Patienten mit dieser Frage grundsätzlich an spezialisierte Chirurgen wenden sollten.
 
6) Was ist der Vorteil für die Patienten, dass Ihre beiden Abteilungen so eng verzahnt arbeiten?


Zunächst einmal ist uns wichtig festzuhalten, dass in beiden Abteilungen eine im internationalen Vergleich hohe Expertise vorliegt. Das Fachwissen und die Erfahrung des Gastroenterologen und Viszeralchirurgen kommen dem Patienten nur dann zugute, wenn sich beide Spezialisten in der Diagnostik und Behandlung der Erkrankung eng abstimmen. Schließlich geht es um die Frage, ob eine endoskopische Behandlung ausreichend ist oder besser operiert werden sollte, ob ein Tumor vorliegt und, wenn ja, ob er gutartig oder bösartig ist, um welchen Tumortyp es sich handelt und demzufolge operiert werden sollte oder zugewartet werden kann. Die Notwendigkeit der fachübergreifenden Verzahnung ergibt sich auch daraus, dass sich Befunde an der Bauchspeicheldrüse im Verlauf ändern können und für jeden Patienten zu jedem Zeitpunkt der Erkrankung immer wieder fachübergreifend zu prüfen ist, ob und welche speziellen diagnostischen oder therapeutischen Maßnahmen zu ergreifen sind. Ein gutes Behandlungsergebnis (hinsichtlich Prognose und Lebensqualität) bedarf der richtigen Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt – gerade bei der Bauchspeicheldrüse.

 

 
 
 
 
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