1907 gründete dann der Internist und Neurologe des Brüderkrankenhauses Prof. Dr. Rumpf in der Marienstraße, der heutigen Prinz-Albert-Straße, ein kleines Krankenhaus für seine weiblichen Patienten, die „Rumpf`sche Klinik“. Rumpf wandte sich an das Mutterhaus der Franziskanerinnen von Waldbreitbach und bat um Ordensschwestern, die das Haus führen und die Patientinnen pflegen sollten. Bald kamen die ersten Schwestern nach Bonn, mieteten ein Haus, ließen es umbauen und übernahmen Verwaltung und Pflege. Die Ärzte des Brüderkrankenhauses garantierten die medizinische Führung, organisierten die Ausbildung geistlicher und später weltlicher Schwestern in Krankenpflege und Massage. Schon bald konnte das Staatsexamen in beiden Krankenhäusern eingeführt werden.
Beide entwickelten und vergrößerten sich rasch, das Ordensleben wuchs ebenfalls heran. Kapellen wurden gebaut, Orgeln des Bonner Orgelbauers Klais bestellt. Seelsorge, Messen und Sakramente wurden Teil der Krankenfürsorge.
Während der Kriegsjahre 1914-1918 dienten beide Krankenhäuser als Lazarett. Die einmarschierenden britischen Truppen beschlagnahmten das Brüderkrankenhaus bis 1920. Unfallpatienten mussten jetzt in der „Rumpf´schen Klinik“ aufgenommen werden.
Die große Not der Nachkriegsjahre veranlasste Schwestern und Brüder, zusätzlich zur Krankenpflege, die Armenspeisung aufzubauen. Die noch kleine „Rumpf´sche Klinik“ gab jährlich bis zu 8 000, das Brüderkrankenhaus 37 000 Essen und 3 000 Brote an Notleidende.
Dank vieler Spenden wurde diese schwere Zeit überwunden. Der lange schon geplante Umbau der „Rumpf´schen Klinik“ konnte dann 1924 beginnen. Aus den nun mittlerweile vier Gebäuden mit unterschiedlichem Höhenniveau entstand eine verbundene Krankenhausanlage und erhielt den Namen „St. Elisabeth-Krankenhaus“.
Hier gab es schon kleinere Mehrbettzimmer, keine Krankensäale, wie noch im Brüderkrankenhaus. Das wurde 1926 von den Rheinischen Berufsgenossenschaften zum „Spezialkrankenhaus für Unfallverletzte“ ernannt. Sogar aus dem Ahrkreis wurden jetzt die Verletzten nach Bonn gebracht. Weltwirtschaftskrise und andere Prüfungen warfen die beiden Bonner Krankenhäuser zurück, die Zahl der versorgten Patienten, der Wöchnerinnen und Neugeborenen stieg jedoch nach 1932 wieder an. Mit der Einflussnahme der Nationalsozialistischen Partei wuchsen neue Probleme. 1937 drohte dem Brüderkrankenhaus die Beschlagnahme. Die Ärzte des Krankenhauses regten an, dass die Franziskanerinnen, die sie aus dem St. Elisabeth Krankenhaus kannten, auch im Brüderkrankenhaus die Pflege übernehmen könnten.
Damit sollte den unablässigen Angriffen gegen die Brüder die Kraft genommen werden. Eilends wurden Gespräche aufgenommen. Schon im Juli wurde den Bonner Zeitungen mitgeteilt, dass nun die Franziskanerinnen von Waldbreitbach die Pflege übernommen hätten. Das Krankenhaus erhielt den neuen Namen „St. Petrus-Krankenhaus“. Die Brüder legten ihr Ordenskleid ab, arbeiteten jedoch in Zivil weiter.
Der zweite Weltkrieg versetzte die Ärzte, Schwestern und Brüder in Schrecken und Panik. Nicht nur die Betreuung und Sorge um die Patienten hielt sie in Atem, auch die nächtlichen Evakuierungen der Krankenhäuser, wenn wieder einmal Bomber gesichtet wurden. Und sie kamen schon 1941 fast 100 Mal! Das St. Petrus-Krankenhaus wurde besonders schwer getroffen, so wie viele andere Bonner Kliniken. Doch die technische Versorgung im St. Elisabeth-Krankenhaus funktionierte noch, es übernahm sogar für die Universitätskliniken wichtige Aufgaben.
Endlich, im März 1945, konnten die Brüder das Ordenskleid wieder anziehen. Die Franziskanerinnen blieben noch bis 1953, halfen beim Wiederaufbau und betreuten die Kranken. Nachwuchssorgen, die alle kirchlichen Träger und Orden verspürten, führten dann zum Einzug der Caritas-Schwestern ins St. Petrus-Krankenhaus.
Die Nachkriegsjahre brachten viel Neues: Die Chirurgie im St. Elisabeth-Krankenhaus teilte sich auf. Ein neuer Unfallchirurg kam, der ausschließlich für dieses Krankenhaus zuständig war. Im St. Petrus-Krankenhaus ging man ähnliche Wege: Ein neuer Unfallchirurg und Orthopäde wurde dem Chirurgen zur Seite gestellt. Die Ärzteschaft teilte sich zunehmend auf, um konzentriert in nur einem Krankenhaus Abteilungen zu stabilisieren und neu aufzubauen. Mit Erfolg, denn immer häufiger suchten auch Prominente beide Kliniken auf. Der damalige Bundeskanzler, Dr. Konrad Adenauer, feierte seit 1958 jeden Geburtstag im St. Elisabeth Krankenhaus, wo sein Priestersohn Paul Adenauer die Festmesse las. Viele andere Namen ließen sich noch nennen. Über Willi Brandt und Ludwig Erhard zu Ministern, Politikern, Mitgliedern des Hochadels, Musikern und Schauspielern. Beide Kliniken legten jedoch großen Wert auf ihre Nähe zu den Bonner Bürgern, die dieses schätzen.
Aber die Krankenhausstrukturen mussten sich dem Wandel der gesundheitspolitischen Vorstellungen und des hohen wirtschaftlichen Drucks ständig anpassen. Spezialisierung und Schwerpunkte wurden gefordert, auch der Verzicht auf Fachbereiche, die in zu vielen Kliniken angeboten wurden.
Ein Zusammenschluss der beiden Krankenhäuser auf der Basis ihrer gemeinsamen Vergangenheit lag schließlich nahe. Vereint läßt sich ein Konzept zur zeitgemäßen Krankenhausversorgung der Bonner Bevölkerung leichter und erfolgreicher gestalten.
Heute präsentiert sich das Gemeinschaftskrankenhaus in beständiger Weiterentwicklung mit neuen Fachabteilungen wie Geriatrie, Kardiologie und Schmerztherapie, moderner medizinischer Diagnostik und Therapie im christlichen Geist derer, die beide Keimzellen, das St. Elisabeth- und das St. Petrus Krankenhaus, gegründet und erfolgreich vorwärts gebracht haben.
Die historische Ansicht
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