Bonn . Die Zahl vornehmlich älterer Menschen, die an Gefäßerkrankungen leiden, wächst rasant. Herzinfarkt, Schlaganfall oder (vermeintlich harmlose) Beschwerden beim Gehen sind häufig die Folge. Hinzu kommt: Die Erkrankung tritt nicht punktuell auf, sie betrifft in der Regel mehrere Stellen des Gefäßsystems. Das Gemeinschaftskrankenhaus St. Elisabeth / St. Petrus / St. Johannes hat auf diese Entwicklung reagiert und seit Jahresbeginn im Hause St. Petrus ein Interdisziplinäres Herz- und Gefäßzentrum etabliert. In diesem Zentrum „bringen Kardiologen, Gefäßchirurgen und Radiologen ihre geballte Kompetenz gemeinsam zum Wohle der Patienten ein“, beschrieb Geschäftsführerin Christa Garvert am gestrigen Nachmittag bei der offiziellen Vorstellung Philosophie und Arbeitsweise des Herz- und Gefäßzentrums. Mit im Boot sind u.a. auch die Internisten aus dem Haus St. Elisabeth; denn viele Patienten mit einer Gefäßerkrankung leiden an Begleiterkrankungen wie beispielsweise Diabetes, die parallel behandelt werden müssen.
Den Weg frei gemacht für die Einrichtung des Herz- und Gefäßzentrums hat der im September letzten Jahres verabschiedete Landeskrankenhausplan. Die Hauptfachabteilung Kardiologie (Chefarzt: Privatdozent Dr. Luciano Pizzulli) wurde dabei von 40 auf 55 Betten aufgestockt und die Radiologie (Chefarzt: Privatdozent Dr. Jochen Textor) als Hauptfachabteilung ausgewiesen. Zusammen mit der auf 30 Betten erweiterten Hauptfachabteilung für Gefäßchirurgie (Chefarzt: Dr. Jürgen Remig) ist die Radiologie kurz vor dem Jahreswechsel ins Haus St. Petrus umgezogen. – Damit waren die idealen räumlichen Voraussetzungen für die Einrichtung des Herz- und Gefäßzentrums unter einem Dach geschaffen.
Die Vorteile für die Patienten liegen auf der Hand. Bei allen kardiovaskulären, also Herz und Gefäße betreffenden Fragestellungen „verfügen wir über ausgezeichnete Diagnoseverfahren und können modernste Behandlungsformen anbieten“, so Dr. Pizzulli. Ob eine medikamentöse Behandlung noch möglich ist, ob beispielsweise Gefäßeinengungen und -verschlüsse mit Ballonkathetern aufgedehnt und, wo erforderlich, mit einem Stent stabilisiert werden müssen, oder ob letztlich doch ein operativer Eingriff unumgänglich ist, das besprechen die drei Chefärzte Dr. Pizzulli, Dr. Remig und Dr. Textor in der gemeinsamen Fallbesprechung. Sie findet täglich statt, wie Dr. Jürgen Remig betont. Hier wird die Therapie gemeinsam festgelegt, entsprechend überwacht und fortgeschrieben. – Ein weiterer Vorteil für die Bonner Bürger: Das Herz- und Gefäßzentrum am Gemeinschaftskrankenhaus stellt auch die Notfallversorgung von Herz- und Gefäßpatienten rund um die Uhr sicher.
Die Geräte wie der Kernspintomograph, die Sonographie oder die neue, besonders strahlenarme Angiographieanlage, die erst vor wenigen Wochen in Betrieb gegangen ist, werden im Herz- und Gefäßzentrum natürlich interdisziplinär genutzt. Durch die vollständige Digitalisierung der Röntgenabteilung können Doppeluntersuchungen vermieden werden, gleichzeitig „können wir Diagnosen in der Regel auch schneller stellen“, faßt Dr. Jochen Textor die Erfahrungen der ersten Monate zusammen. Weil sich dadurch oftmals auch der stationäre Aufenthalt für den Patienten verkürzt, ist die Bildung des Kompetenzzentrums nach den Worten von Geschäftsführer Ludwig Klarl auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten attraktiv.
Beim Interdisziplinären Herz- und Gefäßzentrum wird, so Dr. Jürgen Remig, Kooperation groß geschrieben, und das nicht nur intern. Bereits seit einem Jahr ist das Gemeinschaftskrankenhaus durch die gemeinsame Nutzung des Kernspintomographen mit den Rheinischen Kliniken vernetzt. Zur Einbindung weiterer Kliniken und Praxen finden zur Zeit intensive Gespräche statt, um so für die Patienten eine bestmögliche und wohnortnahe Versorgung zu erzielen.