Die minimal-invasive Chirurgie wird auch als „Schlüsselloch-Chirurgie“ bezeichnet. Im Bereich der Bauchhöhle wird sie „laparoskopische Chirurgie“ genannt. Dabei bezieht sich der Begriff „minimal-invasiv“ zunächst nur auf die Größe des Hautschnitts, da hier einzelne kleine Hautschnitte im Gegensatz zu einem einzigen größeren Schnitt bei der „offenen“ Operation vorgenommen werden. Ansonsten sind die einzelnen Operationsschritte und die operative Zielsetzung beim minimal-invasiven und offenen Vorgehen identisch. An einen minimal-invasiven laparoskopischen Eingriff sind dieselben strengen operativen Anforderungen mit Einhaltung aller chirurgischen Prinzipien zu stellen wie in der offenen Chirurgie. So sind insbesondere bei Tumoroperationen durch den minimal invasiven Zugang keinerlei Kompromisse in der Radikalität der Tumorentfernung und der Qualität der Operation zu akzeptieren.
Bei minimal-invasiven laparoskopischen Eingriffen erfolgt der Zugang zur Bauchhöhle über mehrere kleine Hautschnitte, über die 5-12 mm dicke Röhrchen mit Ventilen (Arbeitskanäle) in die Bauchdecke platziert werden. Dann wird die Bauchhöhle bis zu einem bestimmten Druck mit Gas gefüllt, so dass sich die Bauchdecke von den Baucheingeweiden nach oben abhebt. Über die Arbeitskanäle werden dann eine Optik mit einer hochauflösenden digitalen Kamera sowie verschiedene feine, stabförmige chirurgische Instrumente in die Bauchhöhle eingeführt. Dadurch, dass die Bauchhöhle mit Gas gefüllt ist, blickt der Chirurg mit der Kamera gewissermaßen von oben auf die Organe. Die einzelnen Schritte der Operation verfolgt der Chirurg am Monitor. Soll ein Präparat aus der Bauchhöhle entnommen werden, wird hierfür ein Arbeitskanal sparsam erweitert und das Präparat durch einen Bergebeutel geschützt über die Bauchdecke geborgen. So ist beispielsweise für die Entfernung des gesamtem Dickdarms oder Enddarms in der Regel ein nur etwa 5 cm langer Zugang zur Bauchhöhle ausreichend.
Bei minimal-invasiven Eingriffen außerhalb der Bauchhöhle (wie etwa bei der Versorgung eines Leistenbruchs über die Bauchwand) präpariert der Chirurg einen künstlichen Hohlraum. Dazu schieben wir einzelne Gewebeschichten mit Hilfe eines aufblasbaren Ballons auseinander. Dann wird Gas in den Hohlraum eingeführt, um das Operationsgebiet offen zu halten sowie Kamera und Instrumente unter Sicht einzubringen. Wenn am Ende der Operation das Gas abgelassen wird und die Instrumente zurückgezogen werden, verklebt der Hohlraum wieder.
Den minimal-invasiven Eingriffen werden folgende Vorteile zugeschrieben: Durch kleinere Hautschnitte haben die Patienten weniger Schmerzen und benötigen weniger Schmerzmittel. Die Patienten können dann frühzeitig mobilisiert werden und die Darmtätigkeit setzt im Vergleich zur offenen Chirurgie schneller ein. Dies fördert das Wohlbefinden, ermöglicht einen zügigen Kostaufbau und verkürzt den stationären Aufenthalt. Darüber hinaus scheinen minimal-invasive Eingriffe durch ein geringeres Gewebetrauma mit einem geringeren Blutverlust und weniger Verwachsungen einherzugehen.
Jede operative Prozedur ist rein technisch gesehen grundsätzlich offen durchführbar. Anders ist dies bei einem minimal-invasive Vorgehen. Die technischen Grenzen des minimal-invasiven Vorgehens sind:
Treten unerwartet intraoperativ Probleme auf (starke Blutungen, schwere Verwachsungen, Entzündungen) hat die Sicherheit des Patienten Vorrang und der Chirurg wird auf das offene Verfahren umsteigen. Natürlich spielt in dieser verantwortungsvollen Situation die Erfahrung und Weitsichtigkeit des einzelnen Operateurs eine wichtige Rolle.
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